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Yaskawa Europe - Vipa integriert - neu organisiert

18. April 2018

Yaskawa Europe stellt die Weichen neu – sowohl organisatorisch als auch produktseitig, insbesondere in puncto Steuerungstechnik und Software. CEO Manfred Stern erläutert die Details

Herr Stern, seit März hat Yaskawa Europe eine neue Organisationstruktur. Wie sieht diese konkret aus?

Manfred Stern: Zum einen haben wir mit Stichtag 1. März die bis dahin separat geführten Divisionen‚ Drives & Motion‘ sowie die ‚Vipa Controls‘ zur neuen Division ‚Drives Motion & Controls‘ – kurz DMC – zusammengefasst. Wir sind überzeugt, dass wir mit dieser neuen Aufstellung in den genannten Segmenten jetzt deutlich effizienter vorankommen und vor allem den Kunden einen noch besseren beziehungsweise einheitlicheren Service bieten können. Geleitet wird die Division DMC von Norbert Gauss, der in der Vergangenheit bereits für Drives & Motion verantwortlich war.

Zum anderen haben wir eine komplett neue Geschäftseinheit ins Leben gerufen – die Division ‚Environmental Energy‘, bestehend aus den drei Business-Units ‚Wind‘, ‚Marine‘ sowie ‚Turbo Motors Industrie‘. Mit letzterer nehmen wir unter anderem den Markt von Hochleistungspumpen und Kompressoren ins Visier, wo spezielle, sehr hoch drehende und besonders leistungsstarke Motoren gefordert sind. Diese Division wird von Jukka-Pekka Mäkinen geleitet, dem bisherigen CEO der Yaskwa-Tochter ‚The Switch‘ mit Sitz in Finnland.

Zusammen mit der bisherigen Robotics-Division fußt unser Geschäft damit künftig auf drei elementaren Säulen. Herr Linkenbach, der bisher die Vipa leitete, hat im Europa-Headquarter die Aufgabe der Organisationsentwicklung übernommen.

Fünf Jahre nach dem Kauf von Vipa ist der Steuerungstechnik-Anbieter aus Herzogenaurach also nun komplett in Yaskawa integriert?

Manfred Stern: Korrekt. Zwar gibt es nach wie vor die Vipa GmbH – sprich der legale Merger wurde noch nicht vollzogen; in der Außendarstellung wird der Name Vipa künftig aber nicht mehr promotet, da die Organisation in der DMC aufgegangen ist. Das heißt aber keinesfalls, dass wir die Historie von Vipa vergessen! Im Gegenteil: Wir werden die orginären Vipa-Produkte – insbesondere die 300er-Steuerungsklasse mit ihrem Look & Feel – weiterhin aktiv vermarkten. Hier sehen wir schlichtweg auch in den nächsten Jahren noch einen enormen Bedarf. Unter anderem deshalb haben wir ja im letzten Jahr die 300S plus mit nochmal mehr CPU-Power und einigen neuen Features vorgestellt.

Kurzum: Die 300er-Linie ist bei uns kein Produkt, das irgendwie nebenher läuft, sondern nach wie vor eine unserer Kernkomponenten. Parallel dazu arbeiten wir aber mit Hochdruck an neuen Produktlinien, in die wir derzeit das Gros unserer Entwicklungsressourcen stecken.

Um welche neuen Produkte handelt es sich dabei?

Manfred Stern: Einerseits geht es um die Weiterentwicklung des smarten I/O-Systems SLIO sowie der MicroPLC, die erst vor einem Jahr gelauncht wurde und für die wir in den letzten Wochen etwa die Erweiterungen für analoge E/As herausgebracht haben. Zudem verfügen seit kurzem sowohl SLIO als auch die MicroPLC über einen integrierten Web-Server.

Unser derzeit größtes und zudem innerhalb von Yaskawa global aufgehängtes Projekt ist jedoch die Entwicklung einer komplett neuen Steuerungsgeneration mit der internen Bezeichnung ‚Unified Controller‘. Dahinter verbirgt sich eine einheitliche und modular aufgebaute HW-Plattform, die sich in Zukunft gleichermaßen für Motion Control, für SPS-Anwendungen und auch für Robotik-Applikationen – mit Ausnahme von sehr spezifischen Anwendungen wie beispielsweise Schweißen – einsetzen lässt. Das ‚Herz‘ beziehungsweise die Intelligenz dieser Hardware-Plattform bildet ein neuer SoC, der aktuell zusammen von den Kollegen der Vipa-Tochter Profichip in Herzogenaurach und unserer R&D-Zentrale in Kokura, Japan, entwickelt wird.

Auf der Hardware setzt schließlich eine ebenfalls komplett neue, auf IEC 61131-3 basierende Software auf und nochmal eine Ebene darüber befinden sich dann nicht zuletzt die nötigen Bausteine, um Industrie-4.0-kompatibel zu sein – sprich OPC UA und alles was sonst noch damit zusammenhängt.

Im Übrigen haben wir vor kurzem auch unseren neuen, ebenfalls von Profichip entwickelten Kommunikations-ASIC Antaios gelauncht – interessanterweise als erstes in Japan! Der Grund: Neben den in Europa etablierten Protokollen unterstützt dieser ASIC das in Japan und China sehr verbreitete Mechatrolink-Protokoll was uns ungemein dabei hilft, die globale Yaskawa-Welt mit den westlichen Kommunikationssystemen zu harmonisieren. Über Profichip ist dieser Baustein auch frei am Markt verfügbar.

War anfangs nicht geplant, die von Vipa ursprünglich als Pendant zum TIA-Portal von Siemens konzipierte Software Speed7 Studio als übergreifendes Software-Framework für alle Yaskawa-Plattformen einzusetzen?

Manfred Stern: Einige Features von Speed7 Studio werden wir sicherlich als Module in die neue Software-Umgebung mit übernehmen können; jedoch wird diese nicht das Speed7 Studio im ursprünglichen Sinne sein. Wie Sie bereits sagten: Speed7 Studio wurde noch zu Vipa-Zeiten geboren und hatte daher noch nicht den globalen Blick von Yaskawa mit all seinen Produktlinien bis hin zur Robotik. Insofern geht die Entwicklungsvorgabe über die ursprüngliche Planung hinaus. Ein Aspekt, bei dem die Kollegen aus Herzogenaurach ebenso wie die der Motion-Sparte aus Eschborn eng mit eingebunden sind, ist die Entwicklung der integrierten Sicherheitstechnik für die kommende Steuerungsplattform.

Wie sieht die zeitliche Roadmap bezüglich des ‚Unified Controller‘ aus?

Manfred Stern: Mit dem Roll-Out der Produkte – insbesondere was die Hardwarebasis betrifft – wollen wir 2020/2021 starten. Produkte für integrierte Sicherheitstechnik, die übrigens auch mit SLIO zusammenspielen können, werden schon ein Jahr früher verfügbar sein.

In Kürze startet die Hannover Messe 2018 – nach langer Abstinenz wieder mit Yaskawa als Aussteller. Was hat Sie zur Rückkehr bewogen?

Manfred Stern: Stimmt, letztmals war Yaskawa als Konzern – sieht man von unserem gemeinsamen Messeauftritt mit Vipa in den letzten Jahren einmal ab – im Jahr 2007 auf der Messe vertreten. Unsere Rückkehr in 2018 ist primär darin begründet, dass sich die Hannover Messe meiner Überzeugung nach de facto zum ‚Schaufenster‘ für Industrie 4.0 entwickelt. Mit unserer Präsenz in Halle 17 wollen wir unterstreichen, dass Yaskawa zu diesem Thema einiges beitragen kann und will.

Wie wird Ihr Messeauftritt konkret aussehen?

Manfred Stern: Unser Auftritt wird unter dem übergreifenden Motto ‚i3 Mechatronics‘ stehen. Die drei ‚i‘ stehen dabei für innovativ, integrated und intelligent. Was sich konkret dahinter verbirgt, werden wir in Hannover am Zusammenspiel unserer Haupt-Produktlinien – Roboter, Servos, Inverter und nicht zuletzt Steuerungen – mit dem sogenannten ‚Yaskawa-Cockpit‘ zeigen. Bei letzterem handelt es sich um eine ebenfalls komplett neu entwickelte Plattform intelligenter Software-Komponenten – mit einer zentralen Datenbank, Modulen zum Sammeln, Auswerten und Anzeigen von Daten, Web-Server, Alarm via Email sowie Standard-Schnittstellen wie OPC UA und HTTP zu übergeordneten Systemen.

Kurzum: Im Yaskawa-Cockpit laufen letztendlich die Fäden zusammen, um aus Daten, die an den unterschiedlichsten Stellen generiert werden, die entsprechenden Schlüsse zu ziehen – etwa um darauf aufsetzend Asset Management, Predictive Maintenance, Quality Management oder Alarm Handling zu ermöglichen oder auch den Durchsatz in der Produktion zu steigern. Mit dieser Zielrichtung lassen sich zudem auch externe Tools an das Cockpit andocken – denken Sie zum Beispiel an das Thema Künstliche Intelligenz. Diesbezüglich arbeiten wir in Japan bereits mit Partnern – unter anderem mit IBM Watson – dahingehend zusammen, dass IBM die von unseren Geräten gelieferten Daten entsprechend verarbeitet beziehungsweise auswertet und die Ergebnisse anschließend wieder in das Cockpit zurückspielt.

Wenn Industrie 4.0 solch eine Bedeutung für Yaskawa hat – warum stellen Sie dann in Halle 17 im Umfeld der Robotik aus und nicht etwa in Halle 9 im Umfeld der Steuerungs- beziehungsweise Automatisierungstechnik?

Manfred Stern: Wenn heute von Industrie 4.0 die Rede ist, ist auch das Thema Robotik immer stärker präsent – von daher ist die Halle 17 an sich nicht schlecht gewählt. Wollten wir mit all unseren Produktbereichen ‚richtig‘ platziert sein, müssten wir in Hannover in mehreren Hallen präsent sein – was aber keinen Sinn macht. Dies ist auch der Grund, warum Vipa respektive die Steuerungstechnik in diesem Jahr nicht mehr wie bisher in Halle 9 zu finden sein wird. Die Message, die wir letztlich aussenden wollen: Unser Messeauftritt in Hannover ist keine Robotics-Veranstaltung, sondern eine Plattform, um das komplette Automatisierungsportfolio zu demonstrieren.